Raidsonic ICY BOX

Es begab sich zu der Zeit, dass ich mir ein sogenanntes Netbook zulegte. Von diesem Gerät bin ich bis jetzt auch total überzeugt, denn es erfreut mich durch seine Schönheit, Leistungsfähigkeit und Kompaktheit. Nun ist es aber so, dass in unserem Haushalt schon 3 Rechner vorhanden sind, ein Notebook, besagtes Netbook und ein „echter Rechner“. Alle 3 sind nicht unbedingt mit großartiger Festplattenkapazität gesegnet… Um also mit einem Schlag Speicherplatz für alle Teilnehmer bereitstellen zu können, habe ich mich zur Anschaffung eines Network Attached Storage (kurz NAS) entschlossen.

Nach langer Recherche sollte es das IB-NAS4220-B von Raidsonic (wo jedes Gerät irgendwie ICY BOX heißt) werden. Dass es gerade dieses Gerät geworden ist, hatte viele Gründe, wovon ich die, die mir noch einfallen, hier aufzählen möchte:

  • Es ist ein RAID System für 2 Festplatten. Bei der Wahl von RAID1 ist damit Datensicherheit auch bei Ausfall einer Festplatte gewährleistet. Natürlich entbindet das nicht von regelmäßigen Datensicherungen, denn wenn das Gerät durch Defekt oder Blitzschlag beide Platten mit in den Tod reißt, dann ist es auch vorbei.
  • Im Gegensatz zu den meisten anderen bezahlbaren NAS‘ auf dem Markt ist beim IB-NAS4220-B die maximale Größe der einbaubaren Festplatten nicht begrenzt. Ich kann also in 5 Jahren Festplatten mit mehreren Petabyte Speicherkapazität einbauen, wenn ich das möchte. Die Box setzt mir jedenfalls keine Grenze.
  • Im Gerät verbaut ist ein Printserver. Damit kann ich gleichzeitig meinen USB-Laserdrucker im Netzwerk erreichen und muss dafür nicht immer extra den großen Rechner anwerfen und 10 Minuten warten, bis der endlich fertig gebootet hat. Der Printserver funktioniert ausgezeichnet mit meinem Brother DCP-7010. Einziger Wehrmutstrupfen (wie übrigens bei allen Printservern, die ich mir angeschaut habe) ist, dass der Scanner dieses Multifunktionsgerätes nicht im Netzwerk verwendet werden kann. Zum Scannen muss man dann doch den großen Rechner anwerfen und den Drucker dort anschließen. Allerdings scanne ich sehr selten, so lässt sich das verschmerzen.
  • Die beiliegende Bedienungsanleitung hat ihren Namen wirklich verdient! Eine Ausnahme heutzutage.
  • USB-Massenspeicher können einfach im Netzwerk verfügbar gemacht werden. Anstecken und fertig.
  • Das Betriebssystem ist ein quelloffenes embedded Linux, das in Software die RAID-Funktionalität realisiert. Raidsonic bietet einige Zusatztools und auch die Community hat sich schon auf das Gerät gestürzt, um dessen Funktionen zu erweitern. Direkter Zugriff auf das System via SSH und TELNET sind möglich.
  • Einige Zusatzdienste sind von Anfang an dabei: Bittorrent Client (sehr einfach gehalten, funktioniert aber gut), Bonjour (irgendwas für Mac), Twonky Media Server (Versorgt irgendwelche Netzwerkmediaplayer mit Daten, 30 Tage Testversion, selbst noch nicht getestet) Zu den zusätzlichen Paketen seitens Raidsonic gehört unter anderem ein Webserver, auf dem man seine Webseite unterbringen kann (bis jetzt wohl nur html, aber wer weiß, was noch kommt).
  • Die Festplatten werden mit „normalen“ ext2/3 oder fat32 Dateisystemen formatiert, auch im RAID-Modus. Dadurch kann man sie einfach ausbauen und in jedem anderen Linuxrechner (mit Modifikationen auch mit Windows) wie eine normale Platte mounten. So hat man auch die Möglichkeit, duzende Tools zur Datenrettung anzuwenden, wenn das nötig sein sollte. Das ist meines Wissens bei den meisten anderen NAS in dieser Preisklasse nicht möglich, weil da die Platten nur von dem Gerät selbst gelesen werden können.
  • Der Zugriff auf die Daten dank Samba ist von Windows, und Linux direkt möglich. Des Weiteren ist der Zugriff via FTP möglich, auch aus dem Internet, wenn man seinen Router richtig konfiguriert. Außerdem kann man aus Linux heraus mit NFS auf die Daten zugreifen. Mit Apple kenne ich mich nicht so sehr aus, aber auch da soll der Zugriff funktionieren – mindestens mit FTP.

Es gibt natürlich auch Nachteile. So ein NAS (vor allem, wenn es bezahlbar sein soll) ist relativ langsam im Vergleich zu USB-Festplatten. So auch dieses Gerät. Der Gigabit-Netzwerkanschluss wird damit bei weitem nicht ausgereizt. Das stört mich aber weniger, denn die Geschwindigkeit stand auf meiner Prioritätenliste irgendwo ganz unten. Für den Zugriff auf Video- und Audiodateien reicht es vollkommen aus, mehr braucht man im täglichen Betrieb meisten nicht. Der andere Nachteil, der meiner Meinung nach etwas schwerer wiegt, ist die fehlende Möglichkeit, das Gerät wie eine USB-Festplatte an den Rechner anzuschließen. Der Zugriff ist wirklich nur über das (langsame) Netzwerk möglich. Mal schnell alle Daten sichern könnte also ein Bisschen länger dauern.

Unboxing und Inbetriebnahme

Hier ein kleiner Überblick über das, was aus der Verpackung purzelte:

Verpackungsinhalt und die zusätzlichen Festplatten

Verpackungsinhalt und die zusätzlichen Festplatten

Die beiden Festplatten musste ich allerdings einzeln erstehen. Es handelt sich dabei um 2 baugleiche Western Digital 500Gb Platten mit 16MB Cache und 7200rpm, obwohl angesichts der zu erwartenden Geschwindigkeit auch langsamere Platten ausgereicht hätten. Aber im Laden gab’s eben nur diese. Mit dem Kauf der Platten habe ich auch gegen die eine Regel verstoßen, die besagt, dass man in RAID-Systemen keine baugleichen Festplatten gleicher Serie und Hersteller verwenden sollte. Durch einen Fehler in der Produktion könnte die ganze Serie den gleichen Fehler besitzen und die Chance, dass beide Platten gleichzeitig ausfallen steigt. Naja. Mir passiert das nicht, nicht mir. 🙂

Bei einem NAS handelt es sich im Gegensatz zu schnöden USB-Festplatten meistens um einen echten kleinen Rechner mit Prozessor, Arbeitsspeicher und Betriebssystem. Wenn man die Box öffnet, dann erhält man Einblick in das Innenleben:

die Box geöffnet

die Box geöffnet

Man kann gut das Mainboard mit den SATA-Anschlüssen und Stromkabeln erkennen. An der Rückwand sieht man von oben nach unten: Anschluss für das Netzteil, USB-Port, Lüfter, Netzwerkport. An dem grauen Kabel hängt ein Temperaturfühler, der für die Lüfterregelung verwendet wird. Das kleine Stück gebürstetes Aluminium neben dem Netzwerkport ist der Prozessor.

Leider ist nicht alles Gold, was glänzt, und nicht alles ausgereift, was man kaufen kann. So gab es in der Vergangenheit bei diesen Geräten wohl oft Probleme, wie man in diesem kleinen Forenthread erfahren kann. Weitere Infos hier und aktuelle Diskussionen hier. Jedenfalls ist es wichtig, dass man die Version 1.2 des Mainboards in seiner Box hat, da damit die großen Probleme gelöst wurden. Der Check:

alles OK, Boardversion 1.2

alles OK, Boardversion 1.2

Findet man nur Version 1.1, dann war Raidsonic in der Vergangenheit nach meinen Informationen so kulant und tauschte das Board bei Problemen kostenlos aus.

Der Lüfter in der Box hat verschiedene Betriebsmodi, die über 2 Jumper eingestellt werden können. Die Einstellmöglichkeiten sind direkt auf dem Board aufgedruckt. Es gibt 3 Möglichkeiten: Automatik, manuell low Speed und manuell high Speed:

Steuerung des Lüfters über Jumper.

Steuerung des Lüfters über Jumper.

Die Pins auf dem Bild sind entgegen der ersten Vermutung nicht die Jumper, sondern die RS232-Schnittstelle am Board. Die Jumper für die Lüftersteuerung befinden sich direkt neben dem Anschluss für des Lüfterkabel.

Nach einem kleinen Test habe ich mich für den Automatikmodus entschieden.

Test der Temperaturregelung mit dem Fön

Test der Temperaturregelung mit dem Fön

Jetzt muss natürlich noch gebastelt werden… Ich habe nämlich irgendwo gelesen, dass das System unter Umständen stabiler läuft, wenn man einen kleinen Kühlkörper auf den Prozessor klebt. Klingt vernünftig und kann ja nicht schaden. Also los.

Ein alter Kühlkörper für einen Endstufentransistor diente als Rohmaterial.

Ein alter Kühlkörper für einen Endstufentransistor diente als Rohmaterial.

Fertig zugeschnitten und entgratet wird er mit Wärmeleitpads aufgeklebt.

Fertig zugeschnitten und entgratet wird er mit Wärmeleitpads aufgeklebt.

Passt wie angegossen

Passt wie angegossen

Danach geht’s an den Einbau der ersten Festplatte. Darauf soll dann mit dem beigelegten Klebeband der Temperaturfühler befestigt werden.

Einbau der ersten Platte und Platzierung des Temperaturfühlers.

Einbau der ersten Platte und Platzierung des Temperaturfühlers.

Nach dem Einbau der folgenden Platte wird die Kiste geschlossen und im Betrieb sieht das Ganze dann so aus:

In Betrieb

In Betrieb

Das Innenleben des Gehäuses ist übrigens aus Stahl und das Gehäuse selbst aus Aluminium. Macht einen sehr hochwertigen Eindruck. An der Front befindet sich ein Knopf, mit dem man die Daten des vorne angeschlossenen USB-Massenspeichers automatisch auf die Festplatte sichern kann. Ich habe das aber noch nicht getestet.

Nach nunmehr 3 Wochen habe ich mit diesem gerät nur gute Erfahrungen gemacht. Es funktioniert alles so, wie es soll. Zugriff auf die Daten ist problemlos möglich, der Drucker läuft super am Printserver und auch der Torrentdownload funktioniert ohne Beanstandung. Obwohl ich nirgendwo herausgefunden habe, welchen Port man am Router für Bittorrent öffnen muss, läuft der Download anstandslos. Der Lüfter läuft nach 15 Minuten an an und bleibt dann an. Im Betrieb ist die Lautstärke für mich kein Problem, da die Box direkt neben dem Festrechner steht. Wenn der eingeschaltet ist, dann muss man sich sowieso anschreien… Und wenn der Rechner nicht an ist, dann ist meistens auch keiner im Zimmer.

Fazit

Tolles Teil mit viel Zukunft und (hoffentlich) viel Zukunftspotential.

UPDATE (02.10.08)

Es gibt jetzt eine aktualisierte Firmware zum Download bei Raidsonic. Damit sollte die Festplatten dann auch ordentlich in den Schlafmodus geschickt werden können. Dafür gibt es ein paar andere Bugs, wie man in der Community nachlesen kann.

Weiterhin musste ich leider feststellen, dass die Box keinen „Kaltstart“ mag. Ein- und Ausschalten funktioniert zwar anstandslos, aber wenn man das Netzteil aus der Steckdose zieht, dann kam es bei mir danach zu Problemen. Es ist bis jetzt mehrere Male passiert, dass er mir mitteilte, dass eine Platte des RAID-Verbundes auf Grund von Fehlern ausgetauscht werden müsse (kann nicht sein, denn die Platten sind NEU). Nach einem erneuten Neustart wird der RAID-Verbung automatisch wieder hergestellt, weil die Box denkt, es wurde eine neue Platte eingebaut. Das Problem ist bis jetzt nur nach abziehen des Netzteils aufgetreten! Ich werde das weiter beobachten.

UPDATE (02.11.08)

Nach dem Firmwareupdate gab es zusätzlich das Problem, dass es der Drucker nicht mehr tat. Hab mich lange um die Problembehebung herumgedrückt, weil auch wenige Informationen zu so einem Problem im Internet kursieren. Nachdem ich dann heute mein Ubuntu-Bastellinux auf die neueste Version aktialisiert hatte, hab ich dann auch gleich die Box mit dem Druckerproblem in Angriff genommen, schließlich läuft da ja auch Linux drauf. Nach dem Durchforsten diverser Logfiles habe ich herausgefunden, dass es sich scheinbar um ein Problem mit der Rechtevergabe in einigen Steuerdateien handelt. Anscheinend sind während des Updates dort Änderungen vorgenommen worden.

Es handelt sich um 3 Dateien in /var/spool/lpd/lp :

unspooler.pr
lock.pr
fifo.lock.localhost.localdomain

Das System benötigt offenbar Schreibrechte auf diesen Dateien. Ein chmod 666 bringt Schreibrechte für jeden und Druckfunktion für mich 😉
Das Problem mit dem Fehleranfälligen RAID hat sich noch nicht erledigt. Ich umgehe das Problem momentan, indem die Box einfach immer eingeschaltet bleibt. Aber das ist natürlich kein Zustand für die Ewigkeit…

UPDATE (13.01.09)

Die Box musste mich leider verlassen, weil die Probleme zugenommen haben. Schade eigentlich. Dafür gibt es jetzt etwas neues.

27. September 2008 von Christian

 
 

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Kommentare, Fragen und Tipps

5 Beiträge zu “Raidsonic ICY BOX”

  1. Christian schreibt am 06. Oktober 2008 um 20:52:

    Also langsam nervt es ein Bisschen. Es ist jetzt wieder ein paar Mal vorgekommen, dass das Gerät mir einen Festplattendefekt vorgaukelt. Ich glaube, ich muss mich mal an den Support wenden…

  2. Christian schreibt am 06. Oktober 2008 um 21:41:

    Ich muss gerade feststellen, dass seit dem Firmwareupdate der Drucker nicht mehr funktioniert. So ’ne Kacke. Ich werde zusehends unzufriedener mit der Kiste. Nach dem heutigen Tag ist sie mir absolut keine Kaufempfehlung mehr wert.

  3. Linus schreibt am 06. Oktober 2008 um 22:40:

    Na, da hoffen wir mal, dass sich da noch so viel tut, dass die Kiste wieder so funktioniert wie sie soll.
    Good luck!

  4. Eine neue Netzwerkspeicherlösung : Technikfreun.de schreibt am 13. Januar 2009 um 23:10:

    […] meinen letzten Artikel zur Raidsonic Icybox gelesen hat, der wird vielleicht erahnen können, was weiter geschah. Die Probleme nahmen zu bis zu […]

  5. Ich habe jetzt ein iPhone - Dabei wollte ich doch gar keins… : Technikfreun.de schreibt am 03. Februar 2009 um 23:59:

    […] ganz ursächlich eigentlich hier an. Der Kauf dieses Netbooks zog nämlich bald den Folgekauf dieses Gerätes und bald darauf als Austausch das hier nach sich (für insgesamt viel mehr Geld als ich […]

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