Endlich eine echte Kamera

Ich habe ja jetzt schon einige Artikel mit Bildern versehen. Und meistens (eigentlich immer) war ich unzufrieden. Unscharf, verwackelt, unter- oder überbelichtet, Bildrauschen, unnatürliche Farben… Oft alles in Kombination.

Aber es geht ja nicht nur um’s Fotografieren von Details während einer Bastelsession. Manchmal möchte man ja auch Stimmungen festhalten oder ein interessantes Motiv aus einer ungewöhnlichen Perspektive fotografieren – gerade auch, wenn man im Urlaub ist. All das war mit meiner alten Fuji S5600 nicht zufriedenstellend möglich. Wahrscheinlich ist es aber auch nur so, dass meine Ansprüche gewachsen sind…

Deswegen (und weil ich gerade zu viel Geld übrig hatte 🙁 ) musste jetzt etwas ordentliches her. Es sollte eine Nikon D90 mit dem AF-S DX Nikkor 18-105mm/3.5-5.6G ED VR Objektiv werden. Das Ganze gab es letzte Woche im Kit zu einem sehr günstigen Preis bei „ich bin doch nicht blond“ und soll mein Einstieg in die Spiegelreflexfotografie werden. 🙂

So. Jetzt wäre es an der Zeit aufzuzählen, was denn so toll an dieser Kamera ist. Nun gibt es aber so endlos viele Dinge, auf die man beim Fotografieren achten muss oder kann, und die sich mit einer solchen Kamera überhaupt erst realisieren lassen, dass mir als unbedarftem Einsteiger hier schlicht die Erfahrungen fehlen und eine (langweilige) vollständige Aufzählung aller Features den kleinen Rahmen hier sprengen würde. Also werde ich hier wie gewohnt von meinen persönlichen Eindrücken berichten, gepaart mit ein paar unboxing-Fotos meiner guten alten Fuji (die damals übrigens ein unschlagbares Preis- Leistungsverhältnis bot).

Eine Kiste und eine passende Tasche

Eine Kiste und eine passende Tasche

So kam sie also aus dem Geschäft. In einer unscheinbaren Schachtel verpackt befinden sich Kamera und Objektiv als sogenannter „Kit“. Beides lässt sich auch einzeln erwerben. Eine passende Tasche von Crumpler habe ich gleich mitgenommen (gefällt mir designtechnisch übrigens sehr gut und macht einen relativ soliden Eindruck) und zwei 4GB SD-Karten mit 9MB/s Schreibgeschwindigkeit. Ich hoffe, dass das ausreichend ist.

Die D90 arbeitet nämlich ausschließlich mit SD-Karten, wobei die Schreibgeschwindigkeit ausschlaggebend ist für die „Schussfrequenz“. Unter idealen Bedingungen soll sie 4,5 Bilder/s schaffen. Je nach Bildgröße und Komprimierung (der CMOS-Sensor bietet ca. 12 Mio. effektive Bildpunkte) sind unterschiedlich viele Daten pro Bild zu schreiben. Ich bezweifle aber, dass mich persönlich der Verlust einiger Zehntelsekunden stören wird.

Der Inhalt der Kiste - alle wichtigen Dinge dabei

Der Inhalt der Kiste - alle wichtigen Dinge dabei

So sieht es dann aus, wenn die Kiste ausgepackt wird. Darin befindet sich:

  • Kamera
  • Objektiv
  • Akku
  • Ladegerät
  • Umhängeriemen
  • 2 (!) Bedienungsanleitungen in gedruckter Form
  • Software und diverser Papierkram
  • Stromkabel für’s Ladegerät
  • USB-Kabel
  • A/V-Kabel zum Anschluss an den Fernseher
  • Okularverschluss
  • Objektivsonnenblende
  • Schutztasche für das Objektiv

Alles in allem eine ordentliche Ausstattung. Leider vermisse ich das HDMI-Kabel, damit ich die D90 an den Fernseher anschließen kann. Einen Ausgang bietet sie jedenfalls.

Der sogenannte Body

Der sogenannte Body

Der Body bildet das Rückgrat der Kamera. Hier entscheidet sich, was die Kamera für Funktionen bietet. Neben der Automatik und der obligatorischen vollständig manuellen Einstellung gibt es eine Vielzahl an Helferlein und Spezialfunktionen, mit denen man in der entsprechenden Situation die perfekten Aufnahmen hinkriegen soll.

Wichtig bei der Wahl des Bodies ist für den Einsteiger vor allem die Ergonomie. Im Vergleich zur Fuji ist die Nikon ein gutes Stück größer und auch schwerer, liegt dafür aber auch sehr gut in der Hand. Ich habe mich damit gleich sehr wohl gefühlt.

Das andere Kriterium bei der Wahl des Bodies ist die Sensorgröße. Der Sensor der D90 hat das APS-C-Format ist damit etwa 1,5 mal kleiner als das Kleinbildnegativ, das ja immer zum Vergleich heran gezogen wird. Der Vorteil großer Sensoren ist der, dass mehr „Megapixel“ darauf Platz finden. Ob man die wirklich braucht, ist eine andere Frage, die man durchaus mit „Nein“ beantworten kann, wenn dafür die restliche Bildqualität stimmt. In letzter Zeit häufen sich auch Kameras mit Vollformatsensoren.  Das Plus an Auflösungsvermögen oder Qualitätsgewinn übersteigt aber zur Zeit noch mein Budget.

Das Objektiv

Das Objektiv

Das Objektiv ist das Herz jeder Kamera. Die Qualität eines Objektivs hängt direkt mit der erzielbaren Bildqualität bzw. den Gestaltungsmöglichkeiten des Fotografen zusammen. Denn was eine schlechte Optik versaut hat, das holt auch der beste Chip nicht wieder auf! Nun ist es aber gerade in diesem Bereich so, dass man wirklich nur das bekommt, wofür man bezahlt. So kann ein gutes Objektiv auch mal ein Vielfaches eines Bodies kosten und Schnäppchen gibt es höchstens auf dem Gebrauchtmarkt.

Ich habe mich in diesem Fall für für das besagte Kit entschieden mit dem Nikkor AF-S DX 18-105mm VR entschieden. Die Brennweite entspricht etwa 27-158mm (umgerechnet auf Kleinbild) und etwa 5,8fachem Zoom. Damit ist es universell einsatzfähig und noch ganz gut zu transportieren. Der Vorteil einer Spiegelreflexkamera ist ja auch, dass man das Objektiv je nach Einsatzzweck wechseln kann. Es bleibt also Raum für die fotografische Weiterentwicklung.

Wermutstropfen ist in diesem Fall die Lichtstärke, die das Objektiv bietet. Die reicht von 1:3,5 bis 1:5,6 je nach eingestellter Brennweite. Somit schluckt es relativ viel Licht, was sich in einer längeren Belichtungszeit und damit erhöhter Verwackelungsgefahr äußert. Außerdem fiel mir  bereits auf, dass am Bildrand Verzerrungen deutlich erkennbar sind. War also eher ein günstiges Angebot. Dafür bietet es einen integrierten Verwackelungsschutz, den man bei Bedarf einschalten kann. Ich werde mal sehen wie viel Spaß ich mit diesem Teil noch haben werde, bin aber nach den ersten Probefotos schon extrem zufrieden. Auch der integrierte Autofocus arbeitet schnell und leise. Hier fehlen mir jedoch die Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Marken und Fabrikaten.

Body und Objektiv vor der Hochzeit

Body und Objektiv vor der Hochzeit

Akku mit zugehörigem Ladegerät

Akku mit zugehörigem Ladegerät

Vor der Inbetriebnahme wird der LiIo Akku geladen. Das dauert etwa 2,5 Stunden bei vollständiger Ladung. Danach bietet er Kapazität für ca. 1500 Fotos. Bei der exzessiven Verwendung von Blitz und Display ist es natürlich etwas weniger. Die dazu gekauften 4GB-Speicherkarten haben Platz für etwas mehr als 1000 Bilder bei voller Auflösung und mittlerer JPEG-Komprimierung. Mal sehen, wie sich das Paket in freier Wildbahn verhält. Wahrscheinlich werde ich aber noch einen Wechselakku besorgen. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn bei schönstem Wetter unterwegs der Akku leer ist.

Blick ins Innere

Blick ins Innere

Der Blick ins Innere des Bodies zeigt die Spiegelmechanik, hinter der sich der Bildsensor versteckt hält. Beim Anbringen eines Objektivs muss man darauf achten, dass hier kein Staub hinein kommt. Staub auf dem Sensor beeinträchtigt starkt die Bildqualität. Die D90 besitzt zwar eine automatischen „Entstaubung“ des Sensors, aber man muss es ja nicht herausfordern.

Zusammengebaut entpuppt sie sich als ein ganz schön großes Gerät

Zusammengebaut entpuppt sie sich als ein ganz schön großes Gerät

Auch der Blendschutz fehlt nicht

Auch die Gegenlichtblende fehlt nicht

Ist sie dann schließlich zusammengebaut, hat man ein ungewohnt großes Gerät in der Hand.

Größenvergleich

Größenvergleich Fuji S5600 vs. Nikon D90

Der Größenvergleich macht deutlich, dass es sich hierbei um eine völlig andere Klasse von Kamera handelt. Dieses Bild musste ich übrigens mit dem iPhone aufnehmen, weil ich meine Kameras nicht zur Hand hatte 😉

An diesem Beispiel lässt sich auch gut die Frage nach den Megapixeln beantworten. Das iPhone hat eine Kamera mit ca 2 Mio. Bildpunkten. Ich habe einmal Bilder einer 8 Jahre alten  Pentax EL-2000 mit ebenfalls 2 Megapixel Auflösung gesehen, die mich vom Hocker gehauen haben. Und bei dem obigen Bild erkennt man vor Rauschen ja fast kein Bild mehr. Na gut, die Lichtverhältnisse waren auch echt schlecht. Trotzdem ist es grauenhaft, und dabei habe ich das Bild schon auf die Hälfte  skaliert.

Ein winziges Bisschen zu schwer für das 5 EUR Stativ im Handtaschenformat

Ein winziges Bisschen zu schwer für das 5 EUR Stativ im Handtaschenformat

Zur Größe kommt jetzt auch noch das Gewicht. Das kleine Stativ, das mit immer gute Dienste geleistet hatte, ist der Nikon nicht gewachsen. Aber das war ja eigentlich vorher schon klar. Nach einigem Fummeln habe ich sie für dieses Foto aber dann doch aufgestellt bekommen. Als Nachfolger könnte ich mir ein Gorillapod vorstellen, aber das hat noch Zeit.

Massencheck

Massencheck

Die Masse dieser Body-Objektiv-Kombination ist jedenfalls beachtlich. Knapp 1,2kg bringt sie auf die Waage. Das hat seine Vor- und Nachteile. Nachteil ist natürlich, dass man das Gewicht ja immer mit sich herum schleppen muss. Dazu kommt die Größe, und vielleicht ein Wechselobjektiv. Das ergibt schon eine unhandliche Tasche. Vorteil ist, dass man die große Masse ruhiger halten kann und damit dem Verwackeln vorbeugt. Außerdem bekommt man das Gefühl, „etwas in der Hand“ zu haben.

Und die Bilder? Bei so viel Drumherumgerede gibt es natürlich ein Beispielbild. Viel habe ich auf Grund fehlender Gelegenheiten nämlich noch gar nicht fotografiert. Dieses Bild wurde von mir in der Biosphäre in Potsdam aufgenommen. Bei Kunstlicht durch eine Glasscheibe. Abgesehen davon, dass ich den Blitz ausgestellt habe, sind alle Einstellungen auf Automatik. Noch keine Nachbearbeitung am Rechner (außer Skalieren), obwohl ich mit den Farben noch noch ganz zufrieden bin. Die Fuji hatte in solchen Situationen jedenfalls immer gnadenlos versagt. Demnächst werde ich anfangen zu experimentieren. Dann gibt’s hier vielleicht mal nette Bilder zu sehen (irgendwann muss schließlich die Sonne wieder herauskommen .-) ).

Und warum muss es gerade eine Spiegelreflexkamera sein? Kann man nicht auch ohne eine Spiegelmechanik gute Fotos machen, vielleicht mit einer dieser Bridgekameras? Im Prinzip könnte man das schon machen, aber aus verschiedenen Gründen sammeln sich dann doch die ganzen wichtigen Voraussetzungen im Bereich SLR. So werden große, rauscharme Sensoren fast ausschließlich in DSLRs eingebaut. Dazu kommt, dass man nicht auf ein Objektiv festgelegt ist, sondern ein der Situation entsprechendes verwenden kann. Großer Vorteil  ist auch der echte optische Sucher, durch den sich Schärfe und Tiefenschärfe viel besser beurteilen lassen als durch einen schlecht aufgelösten elektronischen. Auch die Möglichkeit, ein externes Blitzgerät anzuschließen ist nicht überall Standard. Dazu kommen natürlich die obligatorischen fast unbegrenzten manuellen Einstellmöglichkeiten. Alle diese Vorteile vereint habe ich bis jetzt also nur im DSLR-Bereich gefunden. In diesem Forum wurde das ganze Thema noch etwas weiter diskutiert.

Ich muss dazu sagen, dass ich mit der guten S5600 auch einige schöne Bilder machen konnte und gemacht  habe. Allerdings fast ausschließlich bei guten Lichtverhältnissen. Sobald die Empfindlichkeit etwas höher liegen musste, wurde Rauschen deutlich und hat sich mit der Zeit zu meinem persönlichen Erzfeind entwickelt. Sehr auffällig war dagegen, dass die Fuji fast nie rote Augen produziert hat. Offensichtlich hat der eingebaute Blitz genügend Abstand zum Objektiv. Auf den ersten Testbildern der D90 sind etwas öfter welche aufgetaucht. Aber dafür gibt es ja die externen Blitzgeräte.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Ganz eindeutig passt eine D90 nicht mal eben in die Jackentasche und ist in diesem Punkt einer Kompaktkamera deutlich unterlegen. Die 2 anderen Nachteile, die typischerweise zu einer Spiegelreflex gehören, betreffen die Nikon D90 nicht: Verwendung des Bildschirms als Sucher und eine Videofunktion.

Liveview nennt Nikon die Möglichkeit, den großen Bildschirm als Sucher zu verwenden, wie bei einer Kompaktkamera. Der Spiegel klappt dafür um und lenkt das Licht auf einen entsprechenden Sensor. Ich weiß noch nicht, wann ich den Liveviewmodus produktiv einsetzen werde, denn der Autofokus wird dummerweise extrem langsam und fällt damit für Schnappschüsse aus. Bei Überkopfaufnahmen hat der Liveviewmodus aber sicherlich seine Berechtigung.

Als eine der ersten DSLRs ist die Nikon D90 mit einer Videofunktion ausgestattet. Das bedeutet, dass man unterwegs auch Situationen aufzeichnen kann, die nur durch bewegte Bilder wiedergegeben werden können. Da es sich hier aber in erster Linie um eine Fotokamera handelt, sind die Videofunktionen sehr einfach gehalten. So werden z. B. Blende und Fokus während der Aufnahme nicht nachgeregelt und der Ton wird nur in Mono aufgenommen. Das stört mich persönlich nicht, da ich 97% meiner Speicherkarten mit Fotos fülle und mich schon über das Vorhandensein der Videofunktion an sich freue. Manchmal ist sie eben nötig. Die Auflösung ist mit 1280×720 und 24 Bildern/s enorm.

Und was lernen wir (also vor allem ich selbst) aus diesem etwas unfairen Vergleich D90 gegen S5600? Qualität hat ihren Preis und der Sprung aus der Welt der Kompaktkameras in die Speigelreflexzone wird mit einem unglaublichen Gewinn an Bildqualität und Entfaltungsmöglichkeiten belohnt. Bereits beim ersten Foto.

Sollte jemand etwas mehr Interesse zeigen, dann sei er auf folgende Seiten verwiesen:

Testbericht1 auf Digitalcamera.de mit vielviel mehr Informationen.

Testbericht2 zur Usability, vielleicht noch informativer als die ganzen trockenen Zahlen.

Testbericht3 zum AF-S DX Nikkor 18-105mm/3.5-5.6G ED VR, sehr ausführlich.

21. Februar 2009 von Christian

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Kommentare, Fragen und Tipps

5 Beiträge zu “Endlich eine echte Kamera”

  1. Fotoequipment - Slik Sprint Mini 2 GM und Phottix Fernauslöser : Technikfreun.de schreibt am 11. März 2009 um 10:46:

    […] “Winter” ist dieses Jahr echt undankbar. Habe ich mir doch vor einigen Wochen diese Nikon D90 geleistet und bin jetzt voll heiß auf Testaufnahmen und ein Bisschen spielen. Jedoch ist es so, […]

  2. Volker schreibt am 09. April 2009 um 06:53:

    Du hast bestimmt eine tolle Maschine, bin neugierig was für Fotos machen wirst!

    Viel Spaß!

  3. Linus schreibt am 16. April 2009 um 15:25:

    Ich auch.

  4. Die erste Zeit mit der D90 oder: Was macht denn nun die Qualität aus? : Technikfreun.de schreibt am 07. Mai 2009 um 07:55:

    […] zu diesem Artikel antworten wollte, musste ich etwas nachdenken. Auch darüber, dass ich meine Nikon D90 Spiegelreflex nun schon eine Weile habe und wie ich denn persönlich meine Erfahrungen damit bewerten […]

  5. Die Technikfreunde » Endlich eine Spiegelreflexkamera – mit Full-HD-Videofunktion schreibt am 22. Januar 2011 um 00:25:

    […] habe ich intensiv mit Christian über seine immer noch aktuelle Nikon D90 gesprochen. Diese hat ja auch eine Videofunktion, die aber einen für mich gravierenden Nachteil […]

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