Die erste Zeit mit der D90 oder: Was macht denn nun die Qualität aus?

Als ich auf einen Kommentar zu diesem Artikel antworten wollte, musste ich etwas nachdenken. Auch darüber, dass ich meine Nikon D90 Spiegelreflex nun schon eine Weile habe und wie ich denn persönlich meine Erfahrungen damit bewerten würde.

Ich stolperte also über diese Frage:

Inwiefern kann man die Qualitätsunterschiede zu herkömmlichen Digitalkameras sehen / beschreiben?

Erste Reflexantwort: Na an den Bilder! Aber nach kurzer Überlegung ist es gar nicht so einfach.

Zunächst überwiegt das Gefühl, ein unglaublich teures Gerät in den Händen zu halten, das gemeinhin genau das Gleiche kann, wie wesentlich günstigere Kameras auch, nämlich Fotos machen. Durch den Aufpreis ist man geneigt zu glauben, dass man nun automatisch viel bessere Bilder macht. Das ist natürlich totaler Humbug, kann sich jeder denken, der sich länger als ein paar Sekunden mit diesem Gedanken befasst. Dennoch stellt sich dieses Gefühl gerne ein, wenn man die ersten Ausflüge mit einer Spiegelreflexkamera unternimmt – und ich möchte mich hier nicht ausnehmen.

Nachdem sich jetzt die erste Aufregung gelegt hat, machen sich ein paar ambivalente Gewissheiten breit. Zunächst einmal muss man sich nämlich etwas von der beliebten Schnappschussfotografie entfernen. War bei der kleinen Kompakten das Motiv meistens noch irgendwie scharf, so reagiert die Nikon (und andere Spiegelreflexkameras auch, wie ich annehme) sehr stark auf das fokussierte Objekt. Stichwort: Schärfentiefe. Und wenn die Automatik mal nicht das Motiv getroffen hat (ja, auch das kommt öfter vor, als mir lieb ist), dann kann man das Bild schon vergessen. Klingt zunächst einmal nach Rückschritt. (Ach ja, und das Display als Sucher ist natürlich auch gestorben – trotz Live View.) Dem kann man natürlich mit diversen manuellen Einstellungen wie Blende, Brennweite oder einzelnem Fokuspunkt entgegentreten, aber dann ist es ja meistens auch kein Schnappschuss mehr, sondern artet schon etwas in Arbeit aus.

Ich habe immer noch Probleme, z. B. eine Kaffeetafel auf einer Familienfeier bei schlechter Beleuchtung so zu fotografieren, dass alle Gäste halbwegs scharf getroffen sind. Durch die unterschiedlichen Motivabstände und die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit der Blende liegt der Fokus meistens nur auf einer Person. Wenn jemand Tipps at, dann her damit!

Das Problem mit geringer Schärfentiefe ist momentan meine persönliche Baustelle. Andererseits bietet eine gute Spiegelreflexkamera damit natürlich auch die Möglichkeit, mit der Schärfe zu arbeiten. Ganz klassisch wirkt bei Portraitaufnahmen ein extrem unscharfer Hintergrund super. Mit der Kompakten war daran wiederum nicht zu denken.

Des weiteren bietet mir die Nikon D90 technische Möglichkeiten, die ich nicht mehr missen möchte. Um hier nur wenige aufzuzählen (immer im Vergleich zur durchschnittlichen Kompaktkamera):

  • Der Autofokus ist super schnell, ich bin überwältigt!
  • Die Bilder sind quasi rauschfrei bis hin zu hohen Empfindlichkeiten.
  • „Schussfrequenz“ bis 4,5 Bilder/s eröffnet neue Dimensionen in der Sportfotografie.
  • Auffallend natürliche Farben.
  • Relativ natürliche Farben trotz Blitz.
  • Endlosbelichtungszeit dank Fernbedienung.
  • Nutzung von speziellen Objektiven für jede Situation.
  • Die Megapixel lasse ich mal weg, weil gerade die noch am wenigsten ausschlaggebend sind.

Und während ich das hier schreibe, zerbreche ich mir den Kopf, woran man nun die Qualitätsunterschiede fest macht. Und ich glaube, dass ich zu folgenden Schlussfolgerungen kommen muss:

Der Qualitätsunterschied liegt in den Möglichkeiten, die dem Fotografen geboten werden. Die Möglichkeiten der Technik auszuschöpfen, um mit den sich daraus ergebenen Effekten Bilder zu komponieren, die so mit Kompaktkameras undenkbar wären. Das Ganze verbunden mit brillianter Bildqualität macht den Unterschied.

Darin liegt nun allerdings auch die Tücke, denn gute Bilder mach folglich der, der diese Technik zu Nutzen weiß und mit der nötigen Kreativität verbinden kann. Ich erinnere mich dunkel an eine Webekampagne von CANON, die sinngemäß sagte: Komm spielen! In diesem Sinne wünsche ich allen Fotofreunden viel Spaß in der sonnigen Jahreszeit.

04. Mai 2009 von Christian

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Abgelegt unter Fotografie | Kommentare (7)

 
 

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Kommentare, Fragen und Tipps

7 Beiträge zu “Die erste Zeit mit der D90 oder: Was macht denn nun die Qualität aus?”

  1. Heiko schreibt am 07. Mai 2009 um 08:18:

    Macht man die Tiefenschärfe nicht mit der Blende? Also je größer, desto schärfentiefer? 😉

  2. Christian schreibt am 07. Mai 2009 um 17:53:

    Richtig. Aber wenn ich mir darüber bei jedem Bild erneut Gedanken machen muss, dann ist es eben kein Schnappschuss mehr. Dazu kommt, dass es manchmal echt zu dunkel ist für Blende 22, ohne die ISO-Empfindlichkeit aber gleich auf 6400 einstellen zu müssen. Naja, vielleicht übertreibe ich ja ein Bisschen 😉

  3. Heiko schreibt am 08. Mai 2009 um 10:19:

    Ich verstehe.
    Wird Zeit, dass ich auch in die Welt der digitalen Spiegelreflex-Fotografie einsteige! Dann werd ich ja sehen, was Du meinst…
    Schöner Artikel!

  4. Linus schreibt am 14. Mai 2009 um 07:52:

    Hab auch noch was gefunden: Blende.

  5. Andreas schreibt am 26. Mai 2009 um 09:15:

    Eigentlich ist das kein Problem sondern ein Vorteil.
    Mein Tip: Blende weiter schliessen, ISO etwas höher, näher rangehen und dafür weitwinkliger arbeiten.
    Dann sollte die Tiefenschärfe ähnlich sein wie bei der kompakten, nur mit deutlich besserem Rauschen.
    Wenn alles nichts hilft: Ganz weitwinklig arbeiten und einen Ausschnitt aus dem Bild nehmen, bei 12MP hat man ja Reserven. Selbst wenn man die Hälfte der Breite und Höhe wegwirft bleiben 3MP, das ist fast immer ausreichend und effektiv nicht so viel schlechter als die Auflösung einer simplen Kompaktknipse.

  6. Christian schreibt am 26. Mai 2009 um 20:47:

    Ja richtig, im Weitwinkel ist die Schärfentiefe wesentlich besser. Ist mir am Wochenende auch wieder aufgefallen. Muss man eben immer dran denken. Aber es stimmt schon, in den hohen ISO ist das Rauschverhalten auch noch super!

  7. Bilder vom Super Moto-DM-Lauf am Lausitzring - Jürgen Künzel siegt im Superfinale : Technikfreun.de schreibt am 31. August 2009 um 20:47:

    […] mit einer seiner letzten Errungenschaften dabei, welche wir ausgiebig testen durften. In dem Artikel über seine Erfahrungen mit der Kamera hat er ja schon über so manches Detail im Umgang mit dem […]

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