Dynam Bf 109 – die Schaumwaffel

Liebe Technikfreunde,

vor einigen Jahren war ich plötzlich ziemlich heiß auf Modellflug und startete in das Hobby mit diesem Projekt. Als Folgeprojekt hatte ich den Eigenbau einer Turboraven angepeilt. Nach mehreren Jahren muss ich mir aber eingestehen, dass das wohl aus Zeitnot so schnell nicht zu Ende zu bringen ist. Und weil mich spontan das Flug-Fieber wieder gepackt hat, habe ich mir für Zwischendurch eine BF-109 von Dynam bestellt. Hier ein kleines Video zur Einstimmung.

Dynam ist jetzt kein mir bekannter, namhafter Hersteller. Aber was ich so in Foren über die BF-109 gelesen habe, war in Ordnung. Und ich bekomme für einen lächerlichen Preis ein fast komplettes Modellflugzeug mit durchgängig positiven User-Bewertungen. Nur noch Fernsteuerung und Akkus fehlen. Almost ready to fly. Ein besonderes Schmankerl ist natürlich auch das Einziehfahrwerk – sowas sieht in der Luft einfach geiler aus. Dynam scheint in lezter Zeit stark in den Markt zu drängen mit Warbirds wie der BF-109, FW-190 und ME-262. Die Verarbeitungsqualität und farbliche Gestaltung ist offenbar auch gut und der Preis heiß. Also los.

Verpackung - So kam sie bei mir an

Verpackung – So kam sie bei mir an

So kam das Modell bei mir an. Eine große Kiste mit hübschen Bildchen und ein paar Daten. An der Seite ist vermerkt:

Shen Zhen Dynam Industry & Trade Co.,LTD

Auf der anderen Seite Text in mir unverständlichen Schriftzeichen. Dazu: Made in China. Also ein echtes China-Billig-Produkt? Totaler Schrott? Wir werden sehen. Was kommt heutzutage eigentlich nicht aus China? Und am iPhone sieht man, dass dort durchaus auch hochwertige Waren hergestellt werden können.

Ein Bisschen verwirrt war ich wegen der Bilder auf der Kiste. Fernbedienung und Empfänger sollten eigentlich nicht dabei sein. Waren sie auch nicht aber offenbar gibt es nur eine Kiste für die ARF- und RTF-Version.

Unboxing - Paket geöffnet

Unboxing – Paket geöffnet

In der Kiste befanden sich natürlich alle Teile des Flugzeugs. Also Rumpf, Tragflächen und Leitwerke. Alles ordentlich verpackt in einzelnen Kisten und Tüten. Nur das Seitenleitwerk hat eine kleine Delle in der Kiste bekommen. Aber damit kann ich leben. Wer weiß, wie es nach dem Erstflug aussehen wird… 🙂

Das Flugzeug ist komplett aus Schaumstoff. Das soll es robust und leicht zu reparieren machen. Na mal schauen, ob es auch robust genug für meinen Flugstil ist.

Gibt es einen Karton mit 2 Luftschrauben (3-Blatt 13*7), Spinner und Kleinkram. Dann noch eine Bauanleitung und Deko-Sticker. Ich hatte noch 2 4s 2200mAh Lipos bestellt, die mit ready2fly.com direkt mit in die Box gepackt hat.

Kleinkram dabei

Kleinkram dabei

Zum Kleinkram gehören Kohlefastestäbe für Tragflächen und Höhenleitwerk, Klebstoff, Spornrad, LED-Kabel, Schrauben, Kreuzschraubendreher und ein kleiner Innensechskant-Schlüssel.

Y-Kabel im Rumpf

Y-Kabel im Rumpf

Im Inneren des Rumpfes sind die Servos und der Motor mitsamt Regler schon verbaut. Außerdem sind 2 Servo-Y-Kabel beigelegt. Die Empfänger-Stomversorgung ist mit einem DEANS-Stecker versehen.

Pin im Stecker lose

Pin im Stecker lose

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass bei einer der Buchsen ein Pin lose ist. Äußerst beunruhigend aber eigentlich nicht unerwartet. Bei Produkten aus China erwartet man ja eigentlich das Schlimmste. Aber ehrlich gesagt bin ich von der Verarbeitungsqualität sonst überrascht. Alles sauber verklebt und ordentlich lackiert. Nichts zu meckern.

Tragflächen verkleben

Tragflächen verkleben

Der erste Schritt zum Zusammenbau ist das Verkleben der Tragflächen. Dazu wird der Kohlestab in die dafür vorgesehene Öffnung gesteckt, die Stoßflächen mit Klebstoff versehen und die beiden Tragflächen-Hälften zusammen gepresst. Der mitgelieferte Klebstoff braucht ca. 20 Minuten zum Antrocknen und wird aber nie komplett aushärten. Komisches Zeug. Ziemlich eklig, wenn man es an den Fingern hat. Aber es hält das Modell zusammen. Beim Verleimen der Tragflächen darf man übrigens nicht die LED vergessen. Das Modell verfügt nämlich über 3 Beleuchtungs-LEDs. 2 an den Tragflächenspitzen und eine in der Mitte zwischen beiden Tragflächen-Hälften. Es wir anscheinend kein Vorwiderstand verbaut. Also ist hier noch einiges zu tun, denn direkt an den Akku anschließen würde die LEDs zerstören. Ich lasse diesen Teil erst einmal unberücksichtigt. Wenn der Erstflug überstanden ist, dann kommt da einiges an Beleuchtung rein. 😉

Kühlluftzufuhr ausschneiden

Kühlluftzufuhr ausschneiden

Während der Klebstoff trocknet schneide ich ein Loch in die Seite um eine Belüftung für den Akku zu schaffen. Ist nicht in der Anleitung beschrieben, bietet sich aber an, da das Original dort auch einen Ansaugstutzen besitzt. Der wird dann darauf geklebt und schon ist die perfekte Belüftung fertig.

Motor

Motor

Beim Motor sieht es eher schlecht aus mit Belüftungsbohrungen. Er kommt bereits fertig montiert im Rumpf. An den Stromkabeln ist eine kleine Öffnung zum Entlüften in Richtung Regler. Ansonsten wird der Motorraum durch den Spinner ziemlich abgeschlossen. Ich habe links und rechts die angedeuteten Lufthutzen durchgebohrt, damit der Motor wenigstens ein Bisschen kühle Luft bekommt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, nehme ich an. Der Regler selbst wird durch den großen „Ölkühler“ unter dem Motor mit Frischluft versorgt. Der Lufteintritt ist groß, daher mache ich mit diesbezüglich keine Sorgen.

Tragflächen an Rumpf verschraubt

Tragflächen an Rumpf verschraubt

Die fertig verklebte Tragfläche wird dann mit 3 Schrauben am Rumpf befestigt. Die große Kunststoffschraube im hinteren Teil hätte vollkommen ausgereicht, weil die Tragfläche vorne mit einer großen Nase in den Rumpf eingehakt wird. Den Zweck der beiden kleinen Stahl-Schrauben habe ich nicht erkannt zumal diese auch sehr schnell überdrehen. Vorsicht also an dieser Stelle.

Seitenleitwerk verbaut

Seitenleitwerk verbaut

Das Seitenruder kam als einzelnes Teil mit bereits verbauten Scharnieren. musste nur noch mit etwas Klebstoff in die bereits vorbereiteten Öffnungen gesteckt werden.

Spornrad anschrauben

Spornrad anschrauben

Das mitgelieferte Spornrad kann ganz einfach mit dem mitgelieferten Sechskantschlüssel an der vorgesehenen Stelle befestigt werden. Der Draht ist an einer Stelle abgeflacht, so dass man es mit der Madenschraube ordentlich verdrehsicher anbringen kann. Das Rad wird durch den Seitenruder-Servo angelenkt und lässt sich dort auch auf das Seitenruder abstimmen.

Entlüftung

Entlüftung

Dynam hat nicht geschlafen und auch eine Entlüftungsöffnung im Heck eingebaut. Denn irgendwo muss die warme Luft ja auch wieder raus.

Anlenkung Höhenruder

Anlenkung Höhenruder

Die Ruderhörner für die Höhen- und Querruder müssen noch angebracht werden. Und selbst hier sind die Löcher schon vorgebohrt.

Höhenruder verklebt

Höhenruder verklebt

Danach werden beide Seiten des Höhenleitwerks mit Hilfe des kleinen Kohlefaserstabs und viel Klebstoff mit dem Rumpf verbunden. Bisher passt übrigens alles sehr gut zusammen. Tragflächen und Leitwerke mussten nicht besonders ausgerichtet oder für die Verklebung fixiert werden.

Gabelköpfen justieren und mit Ruderhörnern verbinden

Gabelköpfen justieren und mit Ruderhörnern verbinden

Wenn der Klebstoff halbwegs trocken ist, kann man auch schon die Ruder mit den Servos verbinden. Vorher natürlich die Servos in die neutrale Stellung bringen. Auf dem Foto kann man auch erkennen, dass bei der Verklebung des Höhenleitwerks der Kleber etwas getropft hat. Das tut der Farbe nicht besonders gut.

Luftschraube an Motor befestigt

Luftschraube an Motor befestigt

Nach der Befestigung von Luftschraube und Spinner kommt der erste Testlauf des Motors. Fazit: extreme Unwucht –> Propeller auswuchten! Nach dem Kauf einer entsprechenden Einrichtung und Auswuchtung des Propellers konnte ich allerdings keinerlei Besserung feststellen. Der Spinner, der übrigens eine stattliche Größe hat, ist das eigentliche Problem. Das Auswuchtgerät war dafür natürlich nicht geeignet und so musste ich die Unwucht mit Hilfe des beigelegten Schraubendrehers und viel Fingerspitzengefühl bestimmen. Trotzdem musste sehr viel Material entfernt und Tesafilm angebracht werde, damit die Restunwucht verschwindet. Aber es hat sich gelohnt. Jetzt läuft alles rund.

Vorbereitung für Landeklappen

Vorbereitung für Landeklappen

Interessanterweise besitzt die BF-109 schon vorbereitete Landeklappen: Raum für die Servos und eine Markierung, um die Klappen von den Querrudern zu trennen. Das muss natürlich ausgenutzt werden und so hatte ich vom großen C schonmal vorsorglich 2 passende Servos geholt.

Platz für die Servos

Platz für die Servos

Also zunächst die Füllung aus dem Schacht reißen, um Platz zu schaffen. So eine kleine Zange macht sich dazu echt gut.

Kabel verlegt

Kabel verlegt

Dann passt dort super ein kleiner 9g Servo rein. Für die Verlegung des Kabels kann man einen kleinen Schlitz in die Tragfläche schneiden und mit Hilfe eines großen Schraubendrehers das Kabel dort versenken. Man sollte allerdings auf die Drehrichtungen der Servos achten, wenn sie mit einem Y-Kabel gemeinsam angesteuert werden. Sonst geht nämliche eine Klappe nach oben und eine nach unten. Ich hatte da leider etwas zu spät erst drüber nachgedacht…

Fernsteuerung Cockpit SX M-Link von Multiplex

Fernsteuerung Cockpit SX M-Link von Multiplex

Als Fernsteuerung hatte ich für das Vorgängerprojekt eine 2,4GHz-Anlage von Multiplex angeschafft. Nun soll sie in der BF-109 ihren ersten Einsatz erfahren. Es handelt sich um eine voll ausgebaute 7-Kanal-Anlage, was ziemlich gut zum Flugzeug passt. Nach den 4 Servos für Höhe, Seite und 2 Querruder (Motor nicht vergessen) bleiben noch 2 Kanäle für Sonderfunktionen. Das sind in meinem Fall das Fahrwerk und die Klappen, die jeweils über ein Y-Kabel mit einem Kanal angesteuert werden.

Sturz und Zug bereits vorgegeben

Sturz und Zug bereits vorgegeben

Ganz deutlich kann man vorne erkennen, dass Sturz und Zug am Motor bereits eingestellt sind. Der Rumpf ist auch dementsprechend geformt.

Anlenkung Landeklappen

Anlenkung Landeklappen

Die Klappen müssen noch von den Querrudern getrennt und die Anlenkung gebaut werden. Dann kann es schon zum ersten Test gehen. Ergebnis: funktioniert so, wie es soll. Bis zu dem Zeitpunkt wo ein Servo aussteigt. Und ich hatte gedacht, ich müsste das bei den verbauten China-Teile befürchten. Nein, die billigen Modelcraft sind da anscheinend etwas anfälliger.

Fertig, Klappen voll ausgefahren

Fertig, Klappen voll ausgefahren

Zugegeben ist der maximale Ausschlag der Landeklappen ganz schön groß. Da ich sie aber stufenlos verstellen kann, lässt sich damit natürlich sehr gut experimentieren, um den optimalen Winkel zu ermitteln. Mit einem Mischer an der Fernbedienung ist auch noch die Nutzung der Querruder als Spoiler möglich. Muss ich auch unbedingt ausprobieren. Ob das alles sinnvoll oder notwendig für Landungen ist, wird sich zeigen.

Feststellen kann man jedenfalls schon, dass das Fahrwerk in einem ungünstigen Winkel angebracht wurde. Die Räder befinden sich ziemlich weit hinten, also fast unter dem Schwerpunkt. Bei Rasenlandungen kommt es dann häufig dazu, dass sie Übergewicht bekommt und nach vorne auf die Nase fällt. Ich sollte mir ein Arsenal an Austausch-Luftschrauben zulegen.

BF-109 von oben

BF-109 von oben

Die beiliegenden Sticker, neudeutsch „Decals“ genannt, machen echt was her. Obwohl ich denke, dass damals Warnungen wie „Danger“ oder „No Step“ nicht auf Flugzeugen der Deutschen Luftwaffe zu finden waren. 😉

Cockpit mit Pilot

Cockpit mit Pilot

Der Pilot scheint auch nicht sonderlich viel Übersicht zu haben. Aber wenn ich mir ansehe, wie einige Leute im Auto sitzen, dann ist das wohl ausreichend.

Rumpf mit Innenleben

Rumpf mit Innenleben

Wenn die ganze Kabelage erst einmal verbaut ist, dann sieht es ziemlich wüst aus im Innenraum. Der Empfänger hat seinen Platz in ausreichendem Abstand zu Motor und Regler gefunden. Die beiden Antennen gehen zur Seite und nach unten aus dem Modell raus. Am Regler muss eigentlich nichts mehr konfiguriert werden. Der 40A-Regler ist bereits auf den Motor abgestimmt und betreibt ihn zufriedenstellend. Allerdings erkennt er regelmäßig den Akku nicht korrekt und startet die wildesten Piep-Konzerte. Beim zweiten Versuch klappt es aber eigentlich immer.

Temperatursensor

Temperatursensor

Weil die Fernsteueranlage Telemetriefähigkeit besitzt, habe ich der BF-109 gleich noch 2 Temperatursensoren spendiert. Einer überwacht den Regler und der andere ist für den Akku gedacht. Multiplex liefert die Sensoren aber so aus, dass der 2. Fühler deaktiviert ist und ich habe kein Gerät zur Freischaltung parat. Also ist zunächst nur eine Temperatur messbar (und den zweiten Sensor habe ich beim Verbauen auch schon kaputt gebrochen 🙁 ).

Erstflug

Der Erstflug lief ganz gut. Trimmung hat sofort gestimmt und sie flog sich gutmütig und entspannt. Macht echt Spaß. Mit den 4s 2200mAh Lipos ist ausreichend Leistung und Ausdauer gegeben, Regler und Motor tragen ihr übriges dazu bei.

Naja, alles lief super bis ich die erste und eigentlich wichtigste Regel verletzt habe. Irgendwann kam nämlich der Moment, an dem ich die Klappen und dazugehörigen Langsamflugeigenschaften ausprobieren wollte. Und ich habe das natürlich nicht „three mistake high“ gemacht. Es kam zu Bodenkontakt.

Ich ärgere mich wahnsinnig über meine Blödheit. Es gib ein Video davon aber es ist mir zu peinlich, es hochzuladen.

Auf jeden Fall kann ich sagen, dass das Flugzeug wirklich leicht zu reparieren ist. Ich hatte noch etwas PU-Leim übrig und nun ist sie wieder startklar. Nun darf aber nichts mehr passieren, denn der Leim ist leer und soweit ich weiß, gibt es das Zeug für Privatpersonen nicht mehr frei zu kaufen. 🙁

Was kommt noch

Geplant ist noch, die LEDs zum leuchten zu bringen. Mal sehen, wie ich das mache. Eine entsprechende Schaltung gibt es schon für eine andere Konfiguration. Vielleicht werde ich die Beleuchtung komplett ändern. Schaltbar über die Fernbedienung, mit Blitzern etc.

Aber zunächst muss der Zweitflug überstanden werden…

23. Dezember 2012 von Christian

 
 

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Kommentare, Fragen und Tipps

2 Beiträge zu “Dynam Bf 109 – die Schaumwaffel”

  1. Christian W. schreibt am 07. März 2013 um 21:42:

    Herzlichen zu der schönen 109, die es, wie Du evtl schon herausgefunden hast, so in diesen Farben und Decals tatsächlich
    gegeben hat, es handelt sich um ein G4 die jetzt der Mtt Stiftung gehört.
    zum Modell: könnte man das Fahrwerk evtl. vorverlegen?

  2. Christian schreibt am 08. März 2013 um 02:35:

    Ja, die „Red Seven“ gab es wirklich. Ich bin auch sogleich auf folgenden Link gestoßen: http://airventure.de/rote7.htm
    Die alten Daimler Flugmotoren hatten wirklich einen super Sound. Da kommt heute kein AMG mehr ran.
    Bezüglich Vorverlegung des Fahrwerks hatte ich auch überlegt. Ist aber alles so gut verklebt, dass ich es zunächst so gelassen habe. Ist wahrscheinlich schwierig, es so hinzukriegen, dass es auch wieder sauber einfährt. Bisher konnte ich aber auch noch keine missglückte Landung auf das Fahrwerk schieben. War alles meine eigene Schuld.

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