Restaurierung eines alten Telefons W48

So, nun nehm ich mir mal Zeit fürs Telefon: Aufarbeiten eines W48.
Das ist ein Wählscheibentelefon, Entwicklungsjahr 1948, deswegen W48, wählt nach dem Impulswahlverfahren, funktioniert immer noch an einer Fritzbox, hat ein Gehäuse aus Bakelit, wurde weitestgehend unverändert in Ost und West gebaut.
Dei Technik ist eigentlich unverwüstlich, das was immer leidet, ist das Gehäuse.
Ich habe also diesen Apparat, als defekt erstanden, in der Hoffnung, dass da eigentlich nüscht kaputt gehen kann.


Wie man sieht, hat da einer was drauf geschmiert, was natürlich auch runter muss.
Also erst mal den Hörer zerlegt, um zu schauen wie es dadrin aussieht.

Das Telefon selbst hat eine Metallgrundplatte. Eigentlich unüblich für ein DDR-Telefon, da auf Grund des Materialmangels hier Grundplatten aus Bakelit genommen wurden.

Die Wählscheibe ist auch defekt, aber nicht so schlimm, hier ist ne eine Zweite.


Nun geht es ans zerlegen


Nach dem Entfernen der Zentralscheibe an der kompletten Wählscheibe kommt der nächste Fehler:
Das Loch ist zu groß, um auf den Wähler zu passen.

Also 2-Koponentenkleber genommen und erst mal zu gemacht.


Dann muss man einen Schlitz reinfräsen wie bei der anderen Scheibe.

Faszinierend ist die Wähltechnik, 1957, kein Teil verschlissen.




Dann das Gehäuse, hier sind sogar noch die originalen Schaltpläne drin.






Das sieht alles ein wenig gammelig aus.


Also wird gegoogelt, wie man sowas poliert bekommt. Es gibt ganz viele Seiten dazu und viele Tips, wie man das sauber und halbwegs poliert bekommt.
Im Geschirrspüler sauber waschen funktioniert, trotz aller Vorwarnungen. Ich habe das aber an einem anderen Gehäuse ausprobiert, da ich die Schaltpläne nicht gefährden wollte. Mit Autowachs polieren funktioniert nicht so gut finde ich.
Ich hab die brutale Version ausprobiert: Ein Motorradpoliersatz, bei dem zwei unterschiedliche Scheiben in den Akkuscharuber gspannt werden können und einmal grobe Schleifpaste und Polierpaste dabei sind. Die grobe Paste habe ich nicht genommen, nur die Polierpaste. Und siehe da:


Das dann auch beim Hörer.




Dann auch das Gehäuse:




Dauert eine ganze Weile, aber ich bin zufrieden.
Als nächstes wird der Hörer zusammen gebaut.





Danach wird die Wählscheibe wieder ins Telefon eingebaut und die Kabel wieder an die Grundplatte angeschlossen.
Die Kabel sind farblich gekennzeichnet und ich habe die Schrauben mit einem Filzstift in der gleichen Farbe markiert, um wieder alles richtig anzubringen.

Die Grundplatten der verschiedenen Baujahre und Modelle sind eigentlich fast gleich, ich hab hier mal drei verschiedene fotografiert.
Diese ist von dem hier überholten Apparat.

Die hier ist von einem W 38, leicht anders angeordnet.

Und ide hier von einem W48 aus der DDR, mit einer Bakelitgrundplatte und wegen des bekannten Rohstoffproblems wurden die Glocken aus Glas hergestellt.

Am Ende hab ich alles wieder zusammen geschraubt, an eine Fritzbox angeschlossen und siehe da, es funktioniert, auch nach fast 60 Jahren ohne Probleme.

14. Juni 2015 von Oliver

 
 

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Kommentare, Fragen und Tipps

2 Beiträge zu “Restaurierung eines alten Telefons W48”

  1. Richard Gelinek schreibt am 20. Dezember 2016 um 16:02:

    Habe ein „W 48“ geschenkt bekommen.
    es gelingt das Freizeichen, daher glaube ich, dass der Fehler in/bei der Mechanik liegt: auflegen des Hörers…?
    bin vom 27. – 30.12 in Berlin (lebe und wohne in HH, sind Sie eventuell auch da?? Tel: ?? Adresse:??
    ich bin für eine -baldige- Antwort sehr dankbar!
    mit freundlichen Grüßen
    Richard G.

    P.S.: mit Telefon geht schneller: 0151 ********

  2. Oliver schreibt am 27. Dezember 2016 um 10:53:

    Hallo,
    ich wohne nicht in Berlin, tut mir leid. Wenn das Freizeichen funktioniert, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Wenn Du wählst, hörst Du dann Knackgeräusche entsprechend der gewählten Zahl? Und wo hängt das Telefon dran: Fritzbox oder anderer Router?
    Schöne Grüße

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